Sonntag, 18. Januar 2015

Liebe und andere Illusionen

Was ist eigentlich los mit meiner Generation? Oder sollte ich besser sagen, mit den Männern meiner Generation... irgendwie sollte man doch meinen, dass Männer Ende 20/Anfang 30 sich nicht mehr benehmen wie kleine pubertäre Jungs. Zumindest nicht dauernd.... und zumindest nicht, wenn es um das Thema Partnerschaft geht.
Mit 27 Jahren Single zu sein und nicht mehr sein zu wollen, sich also mit anderen Worten auf die Suche zu begeben, ist von einem rein quantitativen Standpunkt aus betrachtet kein Problem. Singles gibt es genug. In der Generation meiner Eltern war das schon eher ein Problem, da standen die meisten in diesem Alter schon mitten im Familienleben und dem traurigen Rest blieben nicht mehr viele Chancen. Heute ist das kein Problem, an Familienplanung denken vor 35 die wenigsten.
Allerdings sollte man meinen, dass sich zumindest bei einem Teil der Singleschaft in besagtem Alter dann doch eben mal zumindest ein Bedürfnis nach einer festen Partnerschaft abzeichnet. Nach etwas mit Bestand, Ernsthaftigkeit und - auch wenn es niemand garantieren kann - Zukunftsorientiertem.
Sollte man meinen - ist aber nicht so. Vor allem nicht bei den Herren der Schöpfung. Das Problem für Singlefrau ist also nicht die Quantität, sondern die Qualität.

Wir sind eine Spaßgesellschaft, eine Erlebnisgesellschaft. Wir nehmen, was das Leben uns zu bieten hat und denken nicht gerne an Morgen. Verantwortung wollen wir maximal im Beruf, und auch nur dann, wenn es mit entsprechendem Honorar und Prestige einhergeht. Ansonsten wollen wir es locker und ungezwungen. Auch, was Partnerschaft angeht. Lass uns einfach ein bisschen Spaß haben, weil so ganz alleine sein ist ja auch doof und vor allem der Sex fehlt. Den braucht der Mensch ja, ist ein natürliches Verlangen, genauso wie Essen. Und deshalb geht der Trend auch weg von One-Night-Stands, bei denen dieses Vergnügen eben nur besagten Zeitraum lang dauert. Nein, das Neueste ist Freundschaft-Plus. Da reduziert man die Anstrenung eines Aufrisses auf ein Minimum und hat länger Freude daran. So lange, bis eben beide oder wenigstens einer keine Lust mehr hat oder dann vielleicht doch mal was wie dieses.... wie heißt das?....Liebe!... dazwischenkommt. In ganz seltenen Fällen vielleicht sogar zwischen den Freundschaft-Plus-Mitgliedern selbst....
So läuft das heute. Lass uns Spaß haben und wer weiß, wenn wir Glück haben, entsteht vielleicht sogar Liebe. Und wenn nicht hatten wir eben zumindest SPASS!

Mich kotzt diese Mentalität so dermaßen an..... und ich bin wohl einfach zu oldschool dafür, passe in dieser Hinsicht nicht in meine eigene Generation. Ich bin irgendwie immer noch auf dem Standpunkt: Mann/Frau begegnen sich - finden sich sympathisch - das gegenseitige Interesse (an der Person!) wächst - man kommt sich näher - verliebt sich.... und dann kommt das, ich nenne es mal, Körperliche.
Oder gut, nennen wir das Kind beim Namen: Heutzutage läuft das irgendwie umgekehrt und Frau muss offenbar erst mal mit einem Kerl ins Bett steigen, um das Anfangsinteresse überhaupt weiter aufrecht erhalten zu können. Und meine persönliche Denkweise, dass das eben umgekehrt laufen sollte, ist da eindeutig ein veraltetes Modell.
Um das mal klar zu stellen: Von einem rein moralischen Standpunkt aus betrachtet verurteile ich es nicht, wenn Menschen einfach Spaß an Sex haben und das nicht bierernst nehmen. Solange sich beide Parteien einig sind, soll jeder das tun, was ihm beliebt. Und ich bin auch nicht prüde und echauffiere mich darüber, dass Sex kein Tabuthema mehr ist über das man nur hinter vorgehaltener Hand tuschelt.
Aber ich finde, dass das andere Extrem der Fall geworden ist. Alles in dieser Gesellschaft ist und wird ständig sexualisiert, irgendwie läuft immer alles nur darauf hinaus und egal ob Medien oder eigenes soziales Umfeld, in irgendeiner Form ist Sex quasi allgegenwärtig. Sex ist Fun, Sex ist Adrenalin, Sex ist Zeitvertreib - und schon lange nichts Besonderes mehr. Es ist  nicht mehr die intimste und vertrauteste Möglichkeit, dem Menschen, den man liebt, nahe zu sein...
Sex und Liebe - das muss schon lange kein untrennbares Gespann mehr sein.
Wie gesagt, ich praktiziere hier keine moralische Verurteilung jener, die diese zwei Komponenten bedenkenlos trennen können und die sich für den Spaß entscheiden.

Aber ich bin traurig und frustriert angesichts der Menge, die so denken. Ich bin es leid, an allen Ecken und Enden der realen wie auch virtuellen Welt immer wieder auf die immergleiche Problematik zu stoßen: Mach den Spaß mit, oder bleib alleine.
Und mir persönlich bleibt nur Letzteres, und zwar ohne Debatte. Denn ich will nicht nur Spaß. Ich will einen Partner. Ich möchte mich verlieben. Ich möchte, dass sich jemand für MICH interessiert, und zwar für das gesamte Paket und nicht nur für die Aspekte, die es im Schlafzimmer braucht. Ich möchte kein Zeitvertreib und keine Option sein. Ich möchte....
Ach scheiß drauf, ich sag's einfach: Ich möchte umworben werden, ich möchte das Gefühl bekommen, ich sei für einen Menschen etwas Besonderes, ich möchte die rote Rose an meiner Winschutzscheibe, den Liebesbrief im Briefkasten und den Kuss im Regen. Ich möchte das verdammte scheißromantikkitschikitschhollywoodunddisneyfilm-Gedöns.... und natürlich auch umgekehrt. Ich möchte einen Menschen kennenlernen, der mich fasziniert, der meine Gedanken und Gefühle vereinahmt. Und der nicht nur mir Vertrauen gibt, sondern mir auch seines schenkt....
Ich will LIEBE!!!

Aber irgendwie lebe ich mit meinen Ansichten und Wünschen in der falschen Zeit. Romantik ist überbewertet, ernste Absichten etwas, wovor sich viele regelrecht zu fürchten scheinen, Liebe wird verwechselt mit temporärer Verknalltheit und die Suche danach wird in Fernsehformaten wie "Der Bachelor" lächerlich gemacht und in seinem Wert degradiert.
Ich dachte mal, wahre, aufrichtige Liebe zu finden sei das höchste Gut, was ein Mensch "besitzen" kann.... Aber sie ist wohl dem Spaßgott zum Opfer gefallen.

Tja.... da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so allein als wie zuvor....

Kommentare:

  1. du glaubst gar nicht, wieviele menschen es gibt, die genau dasselbe empfinden wie du. ich höre das auch oft immer wieder, eine zeitlang und manche werden dann davon verschluckt und genauso. ich bin da gepolt wie du, ich funktioniere auch nicht wie die tinder-gesellschaft... es wird davon gesprochen, wie "anstrengend" eine beziehung ist - das gibt mir immer das gefühl, dass diese menschen noch nie echte gefühle zugelassen haben.
    das problem ist, glaube ich, dass es genauso viele männer gibt, die das gar nicht gut finden. das problem ist nur, dass die schwer zu finden sind. die sitzen meist in irgendwelchen wohnzimmern bei freunden, im besten fall in einem pub, sind aber selten irgendwo, wo man sie kennenlernen kann. da braucht es immer auch ein bisschen einen glücklichen zufall..
    ich drücke dir jedenfalls beide daumen, dass dir bald jemand begegnet, der so denkt wie du und mit dem du dein leben teilen kannst.

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  2. ...vielleicht hat das Daumendrücken bereits geholfen.... :)
    Es wäre jedenfalls mal Zeit... auf diese oberflächliche,gefühlslose Scheiße und das ewige Gefühl, dass es sowas wie aufrichtige Liebe gar nicht gibt hab ich nämlich keine Lust mehr...
    Aber es ist immer schön zu wissen, dass man mit seinen Gedanken und Problemen nicht alleine dasteht :)

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    1. das glaube ich dir gern! ich bin übrigens den moment grade über einen artikel zu diesem thema gestoßen, vielleicht findest du ihn interessant!!

      http://imgegenteil.de/blog/generation-beziehungsunfaehig/

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    2. Hab den Artikel jetzt eben nur mal grob überflogen, werd ihn dann aber auf jeden Fall noch lesen. Aber ohne ihn bereits gelesen zu haben: Irgendwie fürchte ich auch, unsere Generation ist ziemlich verkorkst, was dieses Thema betrifft... -.-

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