Freitag, 3. Oktober 2014

Grenzen

....kann mich mal bitte jemand knuddeln??!



Mal im Ernst... gerade jetzt hätte ich wirklich gerne jemanden, der mich einfach mal in den Arm nimmt. Nicht reden müssen, einfach nur den Kopf an einer Schulter platzieren und gut ist. Einfach nur das Gefühl haben können, dass jemand da ist....

Die eigene Kraft hat Grenzen. Und so langsam sehe ich diese nahen. Die letzten Wochen waren furchtbar anstrengend, in vielerlei Hinsicht. Zunächst waren da eigene, persönliche Angelegenheiten, die mich sehr viel Kraft gekostet haben. Und es immer noch tun, auch wenn es langsam ein bisschen besser wird. Der Abstand zwischen den Heulkrämpfen wird größer und sie dauern nicht mehr ganz so lange an, entziehen nicht mehr alle Energie, so dass man zu nichts anderem mehr fähig ist. Das ist gut. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, inwiefern das tatsächlich schon zum Heilungsprozess gehört, oder vielleicht doch nur eine temporäre, bzw. kausale Angelegenheit ist. Denn die Gründe dafür liegen überwiegend darin, dass ich auch einfach nicht mehr so viel Zeit habe, mich damit zu befassen.
Ist doch gut, Ablenkung hilft, möchte man meinen. Hm, ja... schon. Wenn die Ablenkung allerdings vielfach aus Dingen besteht, die dich auf andere Weise aufreiben, ist das auch nicht so das Gelbe vom Ei....
Ich bin ein Mensch, der sich kümmert. Zwar bin ich sicherlich nicht permanent und ausschließlich selbstlos, aber trotzdem darf das mal gesagt werden. Es hat z.B. seinen Grund, warum ich im sozialen Bereich arbeite. Es hat seinen Grund, warum ich mich auch in meinem Zweitjob, den ich nun seit kurzer Zeit habe, wieder in diesem Bereich aufhalte - und bereits jetzt förmlich ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich daran denke, dass ich eventuell die Möglichkeit haben werde, diesen Job gegen einen anderen einzutauschen, der besser bezahlt und sich in meinem Lebenslauf nicht schlecht machen würde.... dies aber zur Folge hätte, dass ich jemandem quasi meine helfende Hand wieder entziehen müsste...
Ich habe am Anfang meines Berufslebens erst lernen müssen, dass die eigene Verantwortlichkeit nur bis zu einem gewissen Punkt geht. Und dass man über diesen hinaus die Verantwortung in andere Hände legen muss und das ohne, sich ständig weiter Gedanken darüber zu machen. An diesem Punkt bin ich jetzt irgendwie erneut, obwohl es vom Prinzip her nichts anderes ist. Aber es gelingt mir noch nicht so ganz, meine persönliche Grenze zu setzen und ich spüre eine innerliche Unruhe.
Noch schwieriger wird das Abgrenzen im Privatleben. Wenn es um Menschen geht, die einem lieb und wichtig sind, ist es sehr schwer hinzunehmen, dass man nur bis zu einem gewissen Punkt helfen kann, bzw. ist es schwer zuzusehen, wie sich derjenige quält, und man selbst steht irgendwann hilflos da, weil man mit seinem Latein am Ende ist. Kann ich denn nicht doch noch etwas tun...?!
Und so ganz nebenbei gibt es ja auch noch diese Dinge im Leben, die schlichtweg erledigt werden müssen, die irgendwann keinen Aufschub mehr dulden werden und permanent mit dem erhobenen Zeigefinger hinter einem stehen.
Und dann eben das eigene Innenleben, welchem es zwar einerseits gut tut, sich um andere Dinge Sorgen zu machen, welches aber gleichzeitig eben selbst mal eine gewisse Fürsorge brauchen könnte...

Seit Tagen schlafe ich nicht mehr gut. Ich wache frühmorgens auf und bin nicht mehr fähig, wieder einzuschlafen, weil sofort das Gedankenkarussell anspringt. Gelingt es mir dann doch noch mal, klingelt eine halbe Stunde später der Wecker und ich fühle mich mehr gerädert, als wenn ich vorher einfach aufgestanden und die wenigen Stunden Schlaf akzeptiert hätte. Dann beginnt das Tagewerk, bestehend aus vielen einzelnen Elementen, die alle koordiniert werden wollen und wo ich meine bisherigen Zeitmanagement-Skills eindeutig noch werde optimieren müssen. Aber selbst, wenn das dann mal besser gelingt, gibt es ja immer noch die Dinge, die sich an keine Zeitpläne halten...
Und wenn ich dann doch mal einen Zwischenraum erwische oder mir denke, dass ich dann heute Abend totmüde ins Bett fallen und den Schlaf nachholen werde - ja von wegen. Eine kleine Kraftreserve scheint doch noch irgendwo überlebt zu haben und die eigenen Sorgen oder die um andere nagen sofort wieder daran rum.... Ich wünsche mir jemanden, der mich jetzt in den Arm nimmt, mir ein bisschen Kraft zurückgibt...

Aber da dem nicht so ist, werde ich vermutlich die absolute Grenze ausreizen.
Vielleicht steckt da derzeit auch ein kleines bisschen eine Trotzreaktion dahinter. Denn es scheint Menschen zu geben, die mir dergleichen nicht zutrauen. Die mich ausschließlich mit meinem Wunsch, jemanden zum Anlehnen zu haben, assoziieren, aber nicht sehen, dass ich umgekehrt genauso diejenige mit der starken Schulter sein kann. Dass ich das schon immer war und es auch gerne bin. Manch einer sollte das wirklich besser wissen....!

Aber alle Stärke hat nun mal irgendwann ihre Grenze...


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/x/details.png"Zu haben was man will ist Reichtum, es aber ohne Reichtum tun, ist Kraft."
(George Bernard Shaw)



Kommentare:

  1. *knuddel*
    Einiges davon ist mir nicht unbekannt, kann aber nicht behaupten, dass ich nun eine Ladung toller Tipps auf Lager hätte. Gerade auch das mit der Schlaflosigkeit ist übel, weil es auf Dauer Kräfte raubt, die Du für die Bewältigung des anderen Mists brauchst. Mir hat teilweise geholfen, dass ich abends lange Spaziergänge mit Rasputin gemacht habe, oft mit schöner Musik auf den Ohren. Könntest Du ja mal ausprobieren, falls Du in einer Gegend wohnst, wo man spät abends spazieren gehen kann.
    Liebe Grüße

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    1. Danke für's Knuddeln :)
      Nun ja, das mit dem Spazierengehen ließe sich schon machen, aber da ich keinen Begleiter dabei habe so wie du, werden mir vermutlich auch nur wieder die Gedanken im Kopf kreisen. Ich muss mir was anderes einfallen lassen. Bzw. eben mal wieder lernen, persönliche Grenzen zu setzen. Irgendwie krieg ich das hin...

      LG und noch ein schönes WE wünsch ich Dir :)

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  2. *örks* Ich kann deine Gedanken/Gefühle/Emotionen gerade so gut nachvollziehen - habe aber umgekehrt auch null Tipps und/oder Hilfestellungen, die ich dir anbieten könnte. Vielleicht eine virtuelle Schulter, wenn dir das etwas hilft? <3 Ich denke an dich und hoffe, dass du diesen Teufelskreis bald unterbrechen kannst.

    Die Sache mit der Schlaflosigkeit kenne ich, ist hier gerade sehr ähnlich (ebenso wie diverse Heulkrämpfe und Co:), wobei mich eher der Gedanke an die Leute aufrecht erhält, denen es eine tiefe Glückseligkeit und Befriedigung geben würde, wenn ich aufgeben würde. Oh, sie würden genüsslich ihre Hacken in mein Kreuz und meinen Bauch rammen, während ich auf dem Boden liege und diese Genugtuung gönne ich ihnen nicht! Noch nicht - wenn ich zusammenbreche, kann ichs eh nimmer ändern! =P

    Uh, Galgenhumor!^^

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    1. Manchmal fragt man sich doch wirklich nur noch, warum das Leben so verdammt beschissen sein kann...
      Auch ich denke an dich, liebe Kathy, und so wie ich dich einschätze bin ich mir ziemlich sicher, dass es nicht soweit kommen wird, dass diverse Leute eine Genugtuung haben werden... ;)

      Und zum Thema Galgenhumor: Wenn alle Stricke reißen, häng ich mich halt auf....
      *wuhahaha* SCHENKELKLOPFER!!! ;-p

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    2. Oh, ich will das schwer hoffen, denn diese Blöße will ich mir vor DENEN nicht geben, das haben sie weder verdient, noch habe ich es Not, mich vor denen zu erniedrigen. Ich will nicht einmal Rache oder Gerechtigkeit für all den Scheiß, den diese Leute verbockt haben. Eigentlich will ich nur meine Ruhe vor denen, das würde mir schon reichen! =)

      Wär aber doof, wenn der Strick reißen würd, an dem du dich grad aufzuhängen versuchst! =P Ich meine, wär schon gut, weil dann würdest du einsehen, dass das auch keine Lösung ist, aber der Strick würde sich deinem Willen widersetzen und das geht ja mal GAR NICHT

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    3. Stimmt, wo kommen wir denn da hin, wenn einem jetzt auch noch die Stricke vorschreiben wollen, was man zu tun oder zu lassen hat :p

      Mannomann, das geht ja ganz schön krass ab bei dir... wenn ich dran denke, dass es tatsächlich solche Leute gibt, die so dermaßen neid- und hasserfüllt sind, dass sie sich am Unglück anderer regelrecht erfreuen, könnt ich einfach nur kotzen vor Wut!
      Ich hoffe wirklich für dich, dass du bald deine Ruhe vor denen hast.... und dass solche Menschen irgendwann auf irgendeine Weise ihre verdiente Retourkutsche bekommen... ich finde, auf so viel Gerechtigkeit darf man zumindest hoffen.
      Halt die Ohr'n steif! <3

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